Language

Datenschutzhinweis zur Verwendung von Google Translate

Sie kön­nen sich die Seite mit Hilfe von Google Translate automatisch übersetzen lassen. Stim­men Sie der Über­setzung zu, werden per­sonen­be­zogene Daten (u.a. Ihre IP-Adresse) an die Server von Google LLC (1600 Amphi­theatre Park­way Mount­ain View, CA 94043, USA) ge­sendet. Sollten Sie während­des­sen in Ihrem Google-Konto an­ge­meldet sein, kann Google Ihren Be­such dieser Web­seite Ihrem Google-Konto zu­ordnen. Außer­dem werden Cookies gesetzt, die Ihre aktu­elle Sprach­aus­wahl speichern, so dass Sie zwischen den Seiten navi­gieren können, ohne jede Seite wieder über­setzen las­sen zu müssen. Mehr In­formationen zur Datenverarbeitung in unseren Daten­schutz­hinweisen sowie in der Daten­schutz­erklärung von Google.
Suche

Der Familienunternehmer – ein Modell mit Zukunft?

AUTOR:
Sigrid Krings

Björn und Thorben Scharnhorst sind Inhaber und Geschäftsführer der „Exportverpackung Sehnde GmbH“, einem mittelständischen Familienunternehmen mit Sitz in Sehnde in der Region Hannover. Die Brüder führen das Unternehmen in fünfter Generation. Im Interview erzählen sie, wie ihnen die Transformation vom allein durch ihren Vater geleiteten Industriehandwerkerbetrieb in ein hochmodernes, voll digitalisiertes Unternehmen gelang, was die Herausforderungen der Gegenwart sind und wo sie ihren Familienbetrieb in Zukunft sehen.

Herr Björn Scharnhorst, Herr Thorben Scharnhorst, Sie haben die beiden Handwerksfirmen „Holzverpackung Hannover GmbH“ und „Exportverpackung Sehnde GmbH“ vor 14 Jahren von Ihrem Vater Gerhard Scharnhorst übernommen, als inzwischen fünfte Generation. Sie haben die Unternehmen grundlegend umgebaut und im Jahr 2018 sogar in dem einst kleineren Unternehmen, der „Exportverpackung Sehnde GmbH“ (EVS), verschmolzen. Was waren die Herausforderungen in diesem Prozess?

Björn Scharnhorst: Unser Unternehmen hat sich seit der Übergabe durch unseren Vater sehr verändert: von dem „Ein-Mann-geführten“ Industriehandwerksbetrieb hin zu einem hochmodernen, voll digitalisierten Unternehmen mit mehr als 160 Angestellten. Der wohl wichtigste Meilenstein in dieser Zeit lag sicherlich im Jahr 2014: Damals hatten wir sehr guten Zuspruch von unserer Kundschaft, das Geschäft lief super und der Generationswechsel in unserem Unternehmen war bei den Kunden angekommen. Es war viel die Rede von ‚frischem Wind‘. Wir kamen allerdings dann aufgrund der sehr guten Auftragslage mit der Produktion nicht mehr hinterher. Ein Glücksfall war es da, dass wir mit einem ehemaligen Mitarbeiter aus Polen ins Gespräch kamen, der inzwischen in seine Heimat zurückgekehrt war. Gemeinsam mit ihm haben wir uns entschlossen, ein weiteres Unternehmen in Polen zu gründen. Diese Firma beschäftigt sich vor allem mit dem Bau von Holzkisten. Aber auch die Dienstleistungen drumherum, die wir hier in Deutschland anbieten, haben wir inzwischen in Polen etabliert. Dieser Schritt war ein großes Abenteuer für uns, die erste Internationalisierung in unserer mehr als 150-jährigen Firmengeschichte. Endlich konnten wir den wachsenden Bedarf unserer Kunden decken und unseren Standort in Sehnde entlasten.

Thorben Scharnhorst: Ungefähr gleichzeitig haben wir in Sehnde begonnen, interne Strukturen aufzubauen. Die Mitarbeiterzahl war stark angestiegen – von ungefähr 75 auf dann 160 – und wir konnten diese Menschen nicht mehr so führen, wie unser Vater das sein ganzes Leben lang getan hatte. Damals haben alle Mitarbeiter ihre Anliegen immer direkt mit unserem Vater besprochen. ‚Der Chef‘ hat das Problem dann gelöst. Das hat unseren Vater extrem herausgefordert, war eigentlich schon für ihn nicht möglich. Wir waren dann gezwungen, das zu verändern. Auch, weil wir ein völlig anderes Menschenbild haben und eine autokratische Führung nicht für zeitgemäß halten.

 

Welche Reaktionen gab es auf diese Veränderung seitens der Mitarbeiter*innen?

Björn Scharnhorst: Rückblickend sagen wir: Wir sind da anfangs nicht sehr geschickt vorgegangen, weil wir einfach nicht wussten, wie man sowas macht. Für manche Mitarbeiter war es dann ein großes Problem. Sie waren Sicherheit gewöhnt und haben plötzlich komplett den Halt verloren, weil sie nicht mehr wussten, woran sie waren und wo eigentlich ihr Platz war. Manche haben unser Unternehmen leider in dieser Zeit verlassen, obwohl wir ja alles nur gut machen wollten. Das ist uns nicht gelungen und da haben wir sehr viel Lehrgeld bezahlt. Seit dem Jahr 2015 haben wir uns dann externe Hilfe geholt und können heute sagen: Die internen Strukturen gibt es jetzt und sie funktionieren sehr gut. Inzwischen arbeiten wir beide als Geschäftsführer nicht mehr im Unternehmen, sondern am Unternehmen – und das ist gut so.

 

Was unterscheidet Ihr Familienunternehmen denn von einem Großkonzern?

Björn Scharnhorst: Großkonzerne haben häufig die Möglichkeit, ihren Mitarbeitern sehr viel zu bieten: angefangen beim Smartphone, übers Tablet, Dienstwagen und vieles mehr. Darüber hinaus geben sie natürlich, zumindest gefühlt, auch Sicherheit – allein durch ihre Konzerngröße. Dafür hat jeder einzelne Mitarbeiter nur eher wenig Einfluss- und Gestaltungsmöglichkeit und ich habe es schon häufig erlebt, dass sie in eine gewisse unbefriedigende Tretmühle geraten können. Wir als kleineres, mittelständisches Unternehmen punkten mit einem sehr spannenden Arbeitsumfeld. Bei uns hat man sehr viele Möglichkeiten, Ideen zu entwickeln und Verantwortung zu übernehmen. Darauf sind wir sogar angewiesen. Wenn die Ideen gut sind, werden sie auch umgesetzt. Man kann bei uns also direkt Einfluss nehmen und das Ergebnis sehr schnell sehen. Kürzlich zum Beispiel haben unsere Auszubildenden ein Projekt umgesetzt, von dem ich gar nichts wusste: Sie haben den gesamten Eingangsbereich unseres Unternehmenssitzes umgestaltet und das ist fantastisch angekommen. Da könnte ich Ihnen vieler solcher Beispiele nennen.

Thorben Scharnhorst: Ein weiterer Unterschied ist, dass wir langfristig denken und nachhaltig agieren. Wir orientieren uns nicht an kurzfristigen Bilanzen oder Gewinnen, sondern haben die Zukunft im Blick. Wir möchten, dass es uns dann immer noch gibt und dass die Menschen, die für unser Unternehmen arbeiten, dies gerne tun und Spaß daran haben.

 

Und wie schaffen Sie es, sich als vergleichsweise kleines Familienunternehmen auf dem Markt zu behaupten?

Thorben Scharnhorst: Wir haben unser Ohr immer am Kunden und dessen Bedürfnissen, entwickeln uns da ständig weiter. Das ist zentral wichtig, um zukunftsfähig zu bleiben. Ich erinnere mich noch an einen Satz, den mein Vater einst während des Übergabeprozesses zu mir sagte: ‚Du musst doch mal endlich wieder Ruhe einkehren lassen!‘ Da war ich erst einmal total perplex. Dann antwortete ich: ‚In dem Moment, wo hier Ruhe einkehrt, ist es vorbei! Das Gegenteil ist der Fall: Wir müssen wach bleiben, wir müssen beweglich bleiben, unser Unternehmen muss sich verändern, neue Geschäftsfelder entwickeln. Wir müssen uns dem Wunsch unserer Kunden anpassen und nicht umgekehrt. Deswegen sind unsere Strukturen veränderbar und wir arbeiten immer mit der neusten und besten Technik, in jedem Bereich. Darauf verwenden wir seit Jahren sehr viel Geld.

Björn Scharnhorst: Es ist aber nicht einfach und gelingt uns vielleicht nur, weil wir uns in einer ganz kleinen Nische bewegen. Viele andere kleine oder mittlere Familienunternehmen werden gegenüber Großkonzernen nicht wettbewerbsfähig bleiben. Die Digitalisierung befeuert dies meiner Meinung nach zusätzlich, weil dadurch die Erwartung des Kunden und in der Folge der Druck auf die Betriebe extrem wächst. Die Realität in unserem Markt ist: wenige große Unternehmen kaufen viele kleine, das ist im vollen Gang. Ich finde das nachvollziehbar, denn die kleinen Unternehmen rutschen sozusagen auch unter die Fittiche der großen. Sie finden dort Schutz und Sicherheit. Verlieren dafür aber ihre Eigenständigkeit.

 

Ist das Modell „Familienunternehmen“ denn dann überhaupt noch ein Modell mit Zukunft?

Björn Scharnhorst: Ich sehe das eher skeptisch. Bei unseren Kunden im Maschinenbaubereich sehen wir, dass bereits fast die Hälfte der Familienunternehmen von Finanzinvestoren gekauft wurde. Diese haben nur das Ziel Gewinnmaximierung: Es wird gekauft und mit Gewinn wieder verkauft. Nachhaltigkeit und Tradition interessiert sie nicht. Die aktuellen Krisen verschärfen diesen Zustand noch. Wir selbst versuchen, die Wettbewerbsfähigkeit unserer Kunden dadurch zu verbessern, indem wir ihnen Leistungen anbieten, die ihnen weiterhelfen und sie stärken. Wir haben uns auf unsere Fahnen geschrieben: Was unsere Kunden besser macht, das wollen wir machen – oder lernen zu machen. So ganz ohne Wolken sehe ich da die Zukunft aber nicht. Das soll kein Schwarzmalen sein. Wir selbst haben eine gute Position und immer die Einstellung gehabt: Wir werden uns behaupten. Wir haben auch tolle Kunden. Aber der allgemeine Trend ist für uns nicht mehr so ohne Fragezeichen.

 

Stichwort sechste Generation im Familienunternehmen: Haben Sie diese bereits im Blick?

Thorben Scharnhorst: Unser Unternehmen soll auf jeden Fall noch so lange existieren, dass eine sechste Generation es gut übernehmen könnte. Wir wollen es auf jeden Fall so aufstellen, wir sind voll im Saft. Aber das ist auch das Einzige. Ob unsere Kinder das jemals eines Tages machen möchten, überlassen wir völlig ihnen und das strahlen wir ihnen gegenüber auch aus, sagen es nicht nur. Unsere Kinder sollen einmal machen, was sie erfüllt, was ihnen Spaß macht. Wenn das dann die Exportverpackung Sehnde ist, dann ist das gut. Wenn es der Surflehrer auf Hawaii oder Gärtner oder das Einsiedler-Leben im Wald ist, und das meinen wir ernst, ist es aber genauso gut.

Daten und Fakten „Exportverpackung Sehnde GmbH“

  • gegründet 1858 als reine Kistenfabrik („Kistenfabrik Scharnhorst“ – dann Holzverpackung Hannover)
  • mittlerweile in fünfter Generation
  • heute kompetenter Ansprechpartner in allen Belangen der Logistik
  • Auszeichnungen:
    • Großer Preis des Mittelstands
    • TOP 100 Innovator 2021
    • BEST OF Innovationspreis IT
  • drei Standorte: Sehnde, Hannover, Zabrze (Polen)
  • Sitz des heutigen Unternehmens „Exportverpackung Sehnde“: Gewerbegebiet Sehnde
  • über 180 Mitarbeiter (zusammen mit dem Standort in Zabrze)
  • knapp 20 Mio. Euro Umsatz

Die Geschäftsführer Björn und Thorben Scharnhorst

Björn und Thorben Scharnhorst sind die Söhne von Gerhard Scharnhorst, der die „Kistenfabrik Scharnhorst“ im Alter von 19 Jahren von seinem Vater übernommen und erfolgreich weitergeführt hatte. Die beiden Brüder haben eine kaufmännische Ausbildung in jeweils anderen Unternehmen gemacht und anschließend Betriebswirtschaft studiert. 2008 sind sie nach reiflicher Überlegung als gleichberechtigte Geschäftsführer in den Betrieb ihres Vaters eingestiegen. Inzwischen gibt es mit Matthias Duensing einen dritten Geschäftsführer, der nicht aus der Familie kommt.

0
    0
    Ihr Warenkorb
    Warenkorb ist leerZurück zum Shop
     Language

    Datenschutzhinweis zur Verwendung von Google Translate

    Sie kön­nen sich die Seite mit Hilfe von Google Translate automatisch übersetzen lassen. Stim­men Sie der Über­setzung zu, werden per­sonen­be­zogene Daten (u.a. Ihre IP-Adresse) an die Server von Google LLC (1600 Amphi­theatre Park­way Mount­ain View, CA 94043, USA) ge­sendet. Sollten Sie während­des­sen in Ihrem Google-Konto an­ge­meldet sein, kann Google Ihren Be­such dieser Web­seite Ihrem Google-Konto zu­ordnen. Außer­dem werden Cookies gesetzt, die Ihre aktu­elle Sprach­aus­wahl speichern, so dass Sie zwischen den Seiten navi­gieren können, ohne jede Seite wieder über­setzen las­sen zu müssen. Mehr In­formationen zur Datenverarbeitung in unseren Daten­schutz­hinweisen sowie in der Daten­schutz­erklärung von Google.
    Suche
    Consent Management Platform von Real Cookie Banner