
Es geht bei uns immer um das Miteinander
14. Mai 2024Die Ehrenamtsarbeit für Hannover von Aktiven der Informations- und Koordinationsstelle für ehrenamtliche Mitarbeit (IKEM)
Wenn Ulrike Hollstein so erzählt, was Ehrenamtliche alles leisten, wie sie zunächst fremde Menschen auf ihrem Lebensweg äußerst hilfreich begleiten, dann sind das Geschichten, die einem ans Herz gehen. Die Sozialarbeiterin aus dem Fachbereich Soziales der Landeshauptstadt leitet die IKEM zusammen mit Seher Kandemiroglu. Für IKEM sind rund 140 Ehrenamtliche aktiv, die bei der Kinderbetreuung helfen, bei Behördengängen dabei sind, Nachhilfe und Hausaufgaben für Kinder begleiten sowie Menschen in schwierigen Lebenslagen unterstützen oder Geflüchtete auf eine Deutschprüfung vorbereiten.

Aus der Praxis – Frank Wieler der „Ersatz-Opa“
Wer Frank Wiele zuhört, gewinnt den Eindruck, er habe eine quicklebendige Enkelschar von inzwischen Anfang 20-Jährigen, ist Problemversteher, Berufsbegleiter und bester Kumpel in einer Person. Das Großartige: Er hat drei Jungen aus unterschiedlichen Familiensituationen mehr als zehn Jahre lang als Ehrenamtlicher der Stadt Hannover begleitet.
„Ich hatte mit Mitte 50 meinen Job verloren und wollte unbedingt anderen helfen, also ging ich zu IKEM“, blickt Frank Wiele zurück. Dort präsentierte er seine Vorbildung als Mitarbeiter einer Werkstatt für psychisch behinderte Menschen und seine pädagogische Zusatzausbildung. „Wir schauen mal, welche Kinder dringend Hilfe benötigen“, sagte damals die Leiterin von IKEM. Das ist mehr als zwölf Jahre her.
Hilfe für Sohn einer Alleinerziehenden
Der erste war der fünfjährige Sohn einer alleinerziehenden Mutter. Der Vater hatte sich ins ferne Ausland abgesetzt. „Es war Zuneigung auf den ersten Blick zu dem Kleinen, der angeblich an ADHS litt“, erzählt Frank Wiele. Die Hyperaktivitätsstörung konnte der erfahrene Pädagoge schnell einordnen. Frank Wiele ging mit ihm schwimmen, auf den Spielplatz oder auf Ausflug in den Harz. Später betreute er den Jungen bei den Hausaufgaben. Heute hat der 19-Jährige sein Abitur gemacht und studiert Chemie.
Hilfe für 13-jährigen Förderschüler
Den zweite war ein 13 Jahre alter Jungen. Er ging damals zur Förderschule und war etwas aufsässig. „Das legte sich schnell“, meint Frank Wiele rückblickend. Auch mit ihm hat er viel unternommen. Heute hat der inzwischen 23-Jährige eine Lehre als Verkäufer mit Bravour bestanden und arbeitet in dem Bereich erfolgreich weiter.
Sehbehinderter braucht auch Hilfe
Der dritte Junge, den er betreut, ist sehbehindert und geht zu einer Blindenschule. Sein Vater ist blind, seine Mutter geistig behindert. So setzte sich der Ersatz-Opa intensiv für den Kleinen ein, alles rund ums Thema Inklusion. Das war ein voller Erfolg. Der heute 23-Jährige ist ebenfalls auf einem guten Weg.
Doch das Tollste ist: Alle drei Jungen, die Frank Wiele begleitet, sind Freunde geworden. „Wir sind gemeinsam unterwegs gewesen, haben zusammen etwas gekocht, Karten gespielt“, erzählt der Pädagoge. Die drei jungen Männer sind eng per Handy verbunden und haben viel voneinander gelernt. „Ich bin sicher, wir werden den Kontakt nicht verlieren und die untereinander auch nicht“, sagt der 71-Jährige.
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